Arten von Trauma

Auf dieser Seite erhältst Du einen Überblick über die wichtigsten Arten von Trauma. Es finden die Arten Erläuterung, von denen die meisten Menschen betroffen sind und mit denen sich diese Website auseinandersetzt. Es gibt durchaus weitere Kategorisierungen verschiedener Autoren, weshalb der Text keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Grundsätzlich lassen sich Traumatisierungen dahingehend unterscheiden, ob sie durch einmalige und plötzliche Ereignisse oder durch fortdauernde oder sich wiederholende Ereignisse ausgelöst werden. Des Weiteren werden Traumata, die ohne menschliches Zutun geschehen, von denen unterschieden, die von Menschen zugefügt werden. Auch die Art der Wahrnehmung kann in die Kategorisierung mit einfließen. So gibt es Traumata, die bewusst erlebt werden und solche, die sich unbewusst in das System eines Menschen einschleichen.

Es ergeben sich vier Arten von Trauma:  

  1. Schocktrauma
  2. Entwicklungstrauma
  3. Generationsübergreifendes Trauma
  4. Sekundärtrauma

Kurzer Überblick der vier Trauma-Arten: 

Trotz des steigenden gesellschaftlichen Interesses am Thema Trauma glauben viele Menschen noch immer, Trauma und seine Folgen seien ausschließlich auf gravierende, einmalige Ereignisse wie Autounfälle oder gar Kriege zurückzuführen. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nur um eine Art von Trauma, nämlich das Schocktrauma, welches häufig auch posttraumatische Belastungsstörungen nach sich zieht (unwillkürliches Erinnern und Wiedererleben der belastenden Situation (Flashbacks), Vermeidung und Verdrängung des Geschehens, Nervosität, Angst, Reizbarkeit, Aggressivität oder Taubheit der Gefühle sowie Interessensverlust).

Weniger bekannt ist das Entwicklungstrauma, wozu auch das Bindungstrauma zählt. Zu diesen Trauma-Arten kommt es nicht durch ein einmaliges Ereignis, sondern vielmehr durch wiederholte Erfahrungen im Entwicklungsprozess eines Menschen. Sie haben ihren Ursprung in unserer Kindheit und stehen zumeist in Zusammenhang mit den Bezugspersonen jener Zeit.

Eine gestörte Bindung beeinträchtigt ebenso wie frühe Entwicklungs- und Schocktraumen unsere gesunde Selbstregulierung. Sie bewirkt, dass wir uns von uns selbst und anderen abschneiden, verzerrt die eigene Identität und untergräbt das Selbstwertgefühl.

Trauma Arten Selbstwertgefühl

Als Säuglinge und Kinder waren wir unseren Bezugspersonen und deren Erziehungsmaßnahmen oder der Interpretation von Fürsorge vollkommen ausgeliefert. Weil bis vor einigen Jahren noch andere Maßstäbe galten, was die Begleitung von Kindern beim großwerden angeht, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, unter Folgen von Entwicklungstraumata zu leiden. Zudem wissen wir aus der Epigenetik, dass Traumata, sofern sie nicht aufgearbeitet und integriert werden, über Generationen hinweg weitergegeben werden können (Generationsübergreifendes Trauma). Die Wahrscheinlichkeit als Kind mehr oder weniger traumatisiert wurden zu sein, steigt damit an, vor allem in den Nachkriegsgenerationen.
 

Mögliche Gründe für Entwicklungs- und Bindungstrauma:

  • Unverarbeitete Traumatisierungen und Ängste der Eltern, vor allem der Mutter
  • Ablehnung des Kindes vor oder nach der Geburt durch ein Elternteil oder beide (auch in Form eines Abtreibungsversuchs)
  • Komplikationen bei der Geburt im „Krankenhaus“ z.B. durch den Einsatz von Saugglocken
  • Mangelnde Zuwendung der Mutter durch Blickkontakt, Berührung und Gestilltwerden (auch schreien lassen des Babys)
  • Emotionale Nichtverfügbarkeit der wichtigsten Bezugspersonen
  • Ignoranz der individuellen Bedürfnisse und Gefühle des Kindes
  • Vereinnahmung des Kindes durch Bezugspersonen
  • Regelmäßiger Drogen- und Alkoholkonsum durch die Bezugspersonen
  • Häusliche Gewalt, Misshandlung oder sexueller Missbrauch
  • Vernachlässigung des Kindswohls
  • Verlust eines Familienmitglieds

Stellst Du Dir manchmal die Frage, ob Du womöglich selbst ein Bindungs- oder Entwicklungstrauma hast?  In meinem Beitrag „Habe ich ein Trauma?“ versuche ich Licht ins Dunkel zu bringen, indem ich Merkmale aufzeige, die auf Traumatisierungen hindeuten können.

Habe ich ein Trauma?

Zum Beitrag

Von Sekundärtrauma ist die Rede, wenn ein Mensch Zeuge von traumatisierenden Ereignissen wird. Obwohl wir nicht direkt betroffen sind, kann das Beobachten traumatisierender Ereignisse Traumafolgen nach sich ziehen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn RettungssanitäterInnen Zeugen von schrecklichen Unfällen werden oder wenn wir in einem Elternhaus aufwachsen, in der ein Familienmitglied vor unseren Augen misshandelt und missbraucht wird.

Wird ein Kind selbst sexuell missbraucht, kommt es zu einem sexuellen Trauma, welches sich je nach Häufigkeit und Schwere dem Schock- und/oder Entwicklungstrauma zuordnen lässt.

Weil die Heilung von sexuellen Traumata auf meiner Seite ein Schwerpunktthema ist, habe ich diese Art von Trauma auf der entsprechenden Informationsseite näher erläutert.

Quellenverweise: 

Charf, Dami (2021): Trauma Kategorien: Welche Arten von Trauma gibt es? Abgerufen am 19.04.2021, von https://traumaheilung.de/trauma-kategorien/

Heller, Laurence (2013): Entwicklungstrauma heilen: Alte Überlebensstrategien lösen – Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken – Das Neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung NARM, 7. Edition, München

Klein, Gopal Norbert (2019): Innere Landkarte – Wie Trauma sich im persönlichen Erleben auswirken kann. Abgerufen am 26.02.21, von https://www.traumaheilung.net/texte/innere-landkarte/

Ruppert, Franz (2019): Liebe, Lust und Trauma: Auf dem Weg zur gesunden sexuellen Identität, 1. Aufl., München

Ruppert, Franz (2019): Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft?: Wie Täter-Opfer-Dynamiken unser Leben bestimmen und wie wir uns daraus befreien, Stuttgart

Schmidt, Tanja (2003): Sexueller Missbrauch in der Kindheit – Auswirkungen im Erwachsenenalter. Abgerufen am 18.03.2021, von https://www.yumpu.com/de/document/read/8607781/sexueller-missbrauch-in-der-kindheit-auswirkungen-im-