Merkmale von Trauma

Liebeskummer

Liebeskummer – Warum er sich anfühlt wie ein Trauma

Wir alle kennen ihn – den Herzschmerz, der uns nach einer Trennung den Boden unter den Füßen wegzieht. Liebeskummer wird oft bagatellisiert, obwohl er eine starke seelische Belastung darstellt, die uns regelrecht aus der Bahn werfen kann.

Wenn Du gerade unter Liebeskummer leidest, Dich verzweifelt, kraft- und orientierungslos fühlst, wird Dir der folgende Beitrag helfen. Du findest heraus, warum sich der Trennungsschmerz wie ein Trauma anfühlt und wieso er auch eine Chance zur Traumaheilung darstellt. Nach dem Lesen wirst Du mehr Verständnis für Deinen aktuellen Zustand haben und Zuversicht dafür entwickeln, dass Du den Liebeskummer gesund und nachhaltig verarbeiten kannst.

Wann entsteht Liebeskummer?

Liebeskummer bezeichnet die emotionale Reaktion auf eine verloren gegangene partnerschaftliche Liebe. Er entsteht durch die physische Trennung von dem Menschen, zu dem oder der Du eine Bindung aufgebaut hast. Häufig wird davon ausgegangen, dass der Beziehungsteil, von dem die Trennung ausgegangen ist, stärker unter dem Verlust leidet. Das muss jedoch nicht immer zutreffen und ist abhängig vom Trennungsgrund.

Egal in welcher Position Du Dich befindest, Du hast einen nahestehenden Menschen verloren, mit dem Du gemeinsame Erfahrungen, Erinnerungen und Zukunftspläne geteilt hast. Es ist ganz natürlich, dass diese Veränderung Gefühlsreaktionen in Dir auslöst, die von Deinem Nervensystem verarbeitet werden wollen.

Wie äußert sich Liebeskummer?

Die Merkmale von Liebeskummer ähneln häufig den Symptomen von Trauma. Denn wenn der wichtigste Bezugspunkt in Deinem Leben plötzlich nicht mehr da ist, kann der Schmerz darüber wie eine existenzielle Bedrohung wirken.

Liebeskummer

Neben Trauerreaktionen in Form von sozialem Rückzug und weinen leidest Du vielleicht vermehrt unter Ängsten. Du fängst an, an Dir selbst zu zweifeln, fühlst Dich allein, klein und wertlos. Deine Gedanken überschlagen sich und sind in Negativspiralen gefangen. Deine tiefe Traurigkeit überträgt sich auf Deinen Körper. Du fühlst Dich schlapp, hast Schmerzen und bist in Deinem Ess- und Schlafverhalten beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall kann sich dieser Zustand sogar zu einer Depression entwickeln.

Viele Menschen greifen zu Alkohol, Medikamenten oder Drogen, um sich Erleichterung zu verschaffen. Eine Lösung ist das jedoch nicht. Im Gegenteil, auf diese Weise schaden wir unserem Körper und verschlechtern auch unseren mentalen Zustand langfristig betrachtet noch mehr.

Fühlt sich Liebeskummer für jeden gleich an?

Wie bereits erwähnt sind Trennungen immer mit schmerzlichen Gefühlen verbunden und doch fühlt sich Liebeskummer nicht für jeden gleich an. Bestimmte Faktoren beeinflussen unseren individuellen Umgang mit Liebeskummer. So spielen unser Hormonhaushalt, unsere persönliche Resilienz und psychische Vorbelastungen eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Trennungsschmerz.

Hormone

In einer Beziehung produziert unser Körper das sogenannte Bindungshormon Oxytocin. Auch Kuschelhormon genannt, stärkt es in uns das Gefühl von Vertrauen und Bindung und reduziert Stress. Nach einer Trennung nimmt die Oxytocinproduktion ab. Die Folgen können innere Unruhe auf der einen und Antriebslosigkeit auf der anderen Seite sein. Wir fühlen uns dann wie auf einem schmerzhaften Drogenentzug. Dieser Zustand scheint manchmal so unerträglich, dass wir unseren Partner mit allen Mitteln zurückgewinnen wollen, selbst dann, wenn wir die Trennung selbst veranlasst haben.

Persönliche Resilienz

Wie wir auf eine Trennung reagieren, hängt auch von unserer persönlichen Resilienz oder Anpassungsfähigkeit ab. Welche Eigenschaften es sind, die für eine gute Resilienz sprechen, verraten uns die sieben Säulen der Resilienz, welche hier nur kurz erwähnt und nicht genauer beschrieben werden:

    1. Akzeptanz
    2. Optimismus
    3. Lösungsorientierung
    4. Opferrolle verlassen
    5. Verantwortung übernehmen
    6. Netzwerke aufbauen
    7. Zukunft planen

Wie stark diese Säulen jeweils in uns ausgeprägt sind, ist abhängig von unseren Lebenserfahrungen, familiären Verhältnissen und sozialen Prägungen. 

Selbstverständlich sind resiliente Menschen auch nicht frei von Liebeskummer. Auch sie trauern um ihren Verlust und sind zeitweise niedergeschlagen, verzweifelt oder orientierungslos. Die Fähigkeit zur Selbsthilfe ist bei ihnen jedoch stärker ausgeprägt als bei weniger resilienten Menschen, sodass sie schneller über einen Verlust hinwegkommen.

Psychische Vorbelastungen (Trauma-Biografie)

In keinem Lebensbereich werden wir so stark mit unseren psychischen Vorbelastungen in Form von Traumata konfrontiert wie in unseren Liebesbeziehungen.
Haben wir bereits in frühen Jahren traumatische Erfahrungen gemacht, die mit Todesangst verbunden waren, kommen wir spätestens bei einer Trennung damit in Berührung. 

Trennungsschmerz

Aus der Bindungstheorie wissen wir, dass Babys und kleine Kinder ohne psychische und physische Nähe zu anderen nicht überleben können. Das wir heute am Leben sind bedeutet aber nicht, dass bei uns diese elementaren Bedürfnisse jederzeit gestillt wurden. Sind wir beispielsweise von einem Elternteil abgelehnt wurden oder hat man uns schreien lassen, war das für unsere Existenz tatsächlich lebensbedrohlich. Auch wenn wir keine bewussten Erinnerungen mehr daran haben, leiden wir durch derartige Erfahrungen an den Folgen von Bindungs- und/oder Entwicklungstraumata.

Mussten wir im Laufe unseres Lebens mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen durch Tot, Trennung oder Scheidung umgehen und konnten diesen nicht ausreichend verarbeiten, haben wir mit großer Wahrscheinlichkeit ein Verlusttrauma erlitten. Wenn Gewalt und Missbrauch unser Leben geprägt haben, sind weitere unverarbeitete Traumatisierungen sehr wahrscheinlich.

Kann Liebeskummer zu einer (Re-) Traumatisierung führen?

Auch wenn eine Trennung als ein überwältigendes Ereignis wahrgenommen werden kann, das den Anschein macht, es nicht überleben zu können, kann hier nicht von einer Retraumatisierung gesprochen werden. Was traumatisierend erscheint, ist in Wahrheit „nur“ ein Trigger. 

Durch die Trennung von unserem Geliebten oder unserer Geliebten trifft der Herzschmerz auf unsere unverarbeiteten Kindheitstraumata und ruft diese wieder wach. Dies erklärt auch, warum wir uns in einem Trennungsprozess häufig wie ein kleines Kind fühlen: einsam, allein und unfähig zu überleben.

Eine Re-traumatisierung würde bedeuten, dass wir erneut einer Situation ausgesetzt sind, die der damaligen gleicht. Rein objektiv betrachtet ist das jetzt, wo wir erwachsen sind, nicht mehr der Fall. Auch wenn wir allein sind, ist jetzt unser Leben davon nicht mehr bedroht. Im Vergleich zu damals sind wir im Hier und Jetzt handlungsfähig und in der Lage, all die schmerzlichen Gefühle liebevoll anzunehmen. Wir werden den Liebeskummer überleben und so aus dem alten Modus er-wachsen.

Phasen von Liebeskummer

Um Deine Gefühle oder das Gefühlschaos, das Du gerade erlebst, besser einordnen zu können, ist es hilfreich, Dir die vier Phasen von Liebeskummer bewusst zu machen. Sie verdeutlichen Dir, dass Dein aktueller Zustand normal ist und auch wieder vorübergehen wird.

1. Nicht-wahrhaben-wollen-Phase

Diese Phase wird maßgeblich durch unseren Hormonhaushalt herbeigeführt. Wie bereits erwähnt, nimmt nach einer Trennung die Bildung des Bindungshormons Oxytocin ab. Wir fühlen uns dadurch wie auf einem Drogenentzug. Letztendlich sind wir auch Entzug, nämlich von dem bisher geliebten Menschen. Die Trennung in dieser Phase anzuzweifeln, auch wenn sie von uns selbst ausgegangen ist, ist eine typische Begleiterscheinung.  Auch das Leugnen der Trennung als Verlassene oder Verlassener ist typisch. Wir wollen nicht wahrhaben, dass die Beziehung vorbei ist und hoffen, dass für alles noch eine Lösung gefunden werden kann.

2. Phase von Akzeptanz und Trauer

Dass die Trennung real ist, begreifen wir in der zweiten Phase. Wir beginnen jetzt um unseren Verlust zu trauern und haben Liebeskummer. Damit wir unsere Trennung wirklich gut verarbeiten, ist es sehr wichtig, all unseren Gefühle Raum zu geben.

Häufig entwickeln wir in dieser Phase auch Groll oder sogar Rachefantasien, weil wir uns ungerecht behandelt fühlen. Dahinter verbirgt sich meist Wut, die auch gefühlt werden will, ohne dass wir sie an uns selbst oder dem Ex-Partner ausagieren.

3. Phase der Selbstreflexion

In der dritten Phase der Selbstreflexion beginnen wir die Trennung weniger emotional zu betrachten. Wir erkennen, welche Gründe zum Scheitern der Beziehung geführt haben und sind in der Lage, unseren eigenen Anteil daran zu sehen. Es kann durchaus sein, dass wir noch immer traurig über den Verlust sind, aber wir öffnen uns jetzt auch der Möglichkeit, dass unser Leben von nun an ohne den Ex-Partner weitergeht. Vielleicht sind wir sogar in der Lage anzuerkennen, dass die Trennung ein wichtiger Schritt für unsere eigene Entwicklung war.  

4. Phase der Neuorientierung

Liebeskummer verarbeiten

Abschließend kommt es zur Phase der Neuorientierung, in der wir unser Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Diese Phase erkennen wir durch unsere zunehmende Neugier auf das Leben und die Offenheit für Neues. Wir stecken uns neue Ziele und widmen uns endlich wieder den Dingen, die uns Freude bereiten (z. B.: Sport, Kunst, Wandern, Tanzen etc). Die Trennung ist verarbeitet und wir fühlen uns emotional wieder stabil.

Bis es zur Phase der Neuorientierung kommt, ist es möglich, dass wir zwischen den drei vorherigen Phasen hin und her pendeln. Das ist Teil des Verarbeitungsprozesses und ganz normal. Wir sollten uns also nicht unter Druck setzen, egal wie lang es insgesamt dauert.  

6 Tipps zum Verarbeiten von Liebeskummer

Wie bereits erwähnt bist Du Deinem Trennungsschmerz nicht schutzlos ausgeliefert. Als erwachsener Mensch bist Du handlungsfähig und kannst Dir bei der Verarbeitung Deines Liebeskummers Hilfe suchen. Vielleicht gelingt es Dir sogar, die Trennung als Chance zu betrachten, um Deine alten Traumawunden zu heilen. Die folgenden Tipps sollen Dich bei der Verarbeitung Deiner Trennung unterstützen und Dir helfen, in einen Zustand von Stabilität und Sicherheit zurückzufinden.

Bleib Abstinent!

Mach Dir bewusst, dass Du Dich nach einer Trennung auf einem hormonellen Entzug befindest. Wenn Du immer wieder Kontakt zum Ex-Partner suchst, wirst Du nicht von der „Sucht“ loskommen und verlängerst Deinen Leidenszustand. Vermeide persönliche Begegnungen und andere Arten der Kontaktaufnahme (Anrufe, SMS, Nachrichten auf sozialen Medien), so gut es geht. Versuche bewusst Deine Gedanken von ihm oder ihr abzulenken, ohne Dir selbst dabei zu schaden. Statt in Erinnerungen zu schwelgen oder darüber nachzugrübeln, was falsch gelaufen ist, lenke Deine Aufmerksamkeit immer wieder in die Gegenwart.

Nimm Unterstützung an

Es ist normal, wenn Du Dich nach einer Trennung eine Zeit lang zurückziehen willst. Irgendwann solltest Du aber wieder aus Deinem Schneckenhaus herauskommen und die Unterstützung von Freunden, Bekannten und der Familie annehmen. Auch andere soziale Kontakte (Arbeitskollegen, Selbsthilfe-, Fitnessgruppen) können Dir dabei helfen zu begreifen, dass Du nicht allein bist und Dein Leben auch ohne Deinen Partner oder Deine Partnerin einen Sinn hat.

Erlaube Deine Gefühle

Auch wenn die Trennungsgefühle sehr schmerzhaft sind, ist Verdrängung keine Lösung. Statt Dich abzulenken oder direkt in eine neue Liebschaft zu stürzen, solltest Du versuchen, Deine Gefühle zuzulassen und zu fühlen. Trauer und Wut sind wichtig, um über Deinen Verlust hinwegzukommen. Versuche herauszufinden, welche Geschenke diese Gefühle für Dich bereithalten. Verbirgt sich hinter der Trauer womöglich Selbstliebe? Und schenkt Dir die Wut vielleicht innere Klarheit und Stärke?

Finde zu Deinem inneren Kind

Wir alle tragen ein verletztes Kind in uns, dass unter den unverarbeiteten Traumawunden leidet, die jetzt wach gerufen wurden. Indem Du Dich diesem Kind-Anteil in Dir zuwendest, heilst Du nicht nur Deinen Liebeskummer, sondern auch Deine Traumata. Wie Du den Zugang zu Deinem inneren Kind findest und es heilen kannst, erfährst Du in folgendem Beitrag:

Dein inneres Kind
Die wichtigste Beziehung in Deinem Leben! 

Inneres Kind


Fokussiere Dich auf Kraftquellen und Positives

Fokussiere Dich auf die positiven Dinge in Deinem Leben und alles, wofür Du dankbar bist. Finde Deine persönlichen Kraftquellen und schöpfe so oft es geht aus ihnen. Yoga, Meditation oder Atemübungen können genauso hilfreich sein wie Naturerfahrungen, Sport oder Kreatives (Basteln, Malen, Singen). Was hat Dir in der Vergangenheit immer gutgetan? Zögere nicht und tu es wieder, solange es Dir und anderen nicht schadet.

Such Dir therapeutische Unterstützung

Um Hilfe zu bitten, wenn Du Dich von schmerzlichen Gefühlen überwältigt fühlst, kennzeichnet ein liebevolles und verantwortungsbewusstes Verhalten Dir selbst gegenüber. Scheue Dich also nicht davor, Dir Hilfe zu suchen, sei es bei einem Therapeuten, einer Selbsthilfegruppe oder im Rahmen eines Coachings. Gerade jetzt gibt es auch online sehr viele Angebote.

Bitte setze Dich auch bei der Umsetzung dieser Tipps nicht unter Druck. Räume dem Prozess die Zeit ein, die er nun mal braucht. Egal ob es Wochen, Monate oder sogar Jahre sind. Wenn Du gut für Dich sorgst und Dir die Tipps zu Herzen nimmst, wird es aber sicher keine Jahre dauern, um über den Verlust hinwegzukommen. Indem Du Dir Zeit lässt, stellst Du außerdem sicher, dass Du die Trennung wirklich verarbeitest und keine Altlasten in eine neue Beziehung überträgst.

Sei Dir gewiss, dass Du am Ende geheilt und gestärkt aus dieser Phase Deines Lebens herauskommen wirst. Zweifellos folgt nach jedem Regen auch wieder Sonnenschein.

Liebeskummer verarbeiten

Wie bist Du nach Deiner letzten Trennung mit dem Herzschmerz umgegangen? Weißt Du noch, was Dir am meisten geholfen hat? Teile Deine Erfahrungen gerne in einem Kommentar, damit andere wissen, dass sie damit nicht allein sind. Teile diesen Beitrag bitte auch mit Menschen, die gerade unter Liebeskummer leiden. Herzlichen Dank! ♥

Schön, dass Du da bist!

Bin ich traumatisiert

Habe ich ein Trauma? Woran Du erkennst, dass Du traumatisiert bist

Glücklicherweise rückt das Thema Trauma in unserer Gesellschaft mehr und mehr in den Blickpunkt und wird öffentlich diskutiert. Dadurch stellen sich Menschen vermehrt die Frage, ob sie womöglich selbst traumatisiert sind. Mit diesem Beitrag versuche ich Licht ins Dunkel zu bringen, indem ich Merkmale aufzeige, die auf Traumatisierungen hindeuten können.
Für ein besseres Verständnis empfehle ich Dir, falls Du es noch nicht getan hast, meine Infoseiten „Was ist Trauma“, „Arten von Trauma“ und „Überlebensmechanismen“ durchzulesen.

Wieso fällt das Erkennen von Traumatisierungen so schwer?

Am leichtesten zuordnen lässt sich ein Traumahintergrund beim sogenannten Schocktrauma, welches nach außergewöhnlichen Bedrohungssituationen wie Krieg, Naturkatastrophen oder Unfällen auftritt. Betroffene entwickeln nach derartigen Erfahrungen verschiedene Symptome zum Beispiel unwillkürliches Erinnern und Wiedererleben der belastenden Situation (Flashbacks), Vermeidung und Verdrängung des Geschehens, Nervosität, Angst, Reizbarkeit, Aggressivität oder Taubheit der Gefühle sowie Interessensverlust.

Dieselben Symptome können auch bei anderen Trauma-Arten auftreten, mit dem Unterschied, dass der Auslöser nicht bekannt ist. So fällt das Erkennen von Entwicklungstrauma (Bindungstrauma und sexuelles Trauma eingeschlossen) und generationsübergreifendem Trauma deutlich schwerer, weil sie ihren Ursprung häufig vorgeburtlich oder in sehr jungen Jahren haben. Es sind dann keine bewussten Erinnerungen an die Traumasituationen in uns vorhanden.

Außerdem reagieren wir auf ein Trauma mit einem Schutzmechanismus, der zwar unser Überleben sichert, uns aber lang anhaltend den Zugang zu den traumatisierenden Ereignissen verwehrt. Es handelt sich dabei um die psychische Spaltung, die ich nachfolgend genauer beschreibe.

Psychische Spaltung durch Trauma

Traumatisiert - Anteile
Hast Du manchmal das Gefühl, verrückt zu sein? Oder sogar schizophren? Kannst Du Dir nach manchen Deiner Reaktionen oder Gefühlsausbrüche selbst nicht mehr erklären, wieso Du Dich so und nicht anders verhalten hast? Den meisten Menschen mit Traumahintergrund geht es so oder ähnlich. Das liegt daran, dass wir uns, um eine traumatische Situation zu überleben, psychisch spalten mussten. In seinem Spaltungsmodell legt Dr. Franz Ruppert drei entscheidende Anteile zugrunde, die in uns aktiv sind und zwischen denen wir situationsbedingt hin und her wechseln:

Traumatisierter Anteil:

Der traumatisierte Anteil ist der psychische Anteil, welcher der Traumasituation physisch und psychisch ausgesetzt war. In ihm sind die Traumaerfahrungen gespeichert. Er beinhaltet die starken Gefühle von Schmerz, Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Ekel und weitere, die in der bedrohlichen Situation nicht zu bewältigen waren und daher abgespalten werden mussten. Der traumatisierte Anteil versucht immer wieder ins Bewusstsein zu gelangen, er möchte sozusagen gesehen werden, um die Traumasituation endlich abzuschließen. Diesem Anteil ist auch Dein inneres Kind bzw. Deine Inneren-Kind-Anteil zuzuordnen.

Überlebens-Anteil:

Der Überlebensanteil hat den Zweck, alle Empfindungen, Gefühle und kognitive Erinnerungen an das Trauma zu unterdrücken. Dazu entwickelt er komplexe Strategien und vermeidet Situationen, die das Trauma erneut auslösen könnten. Dieser Anteil ist manipulativ, versucht Kontrolle auszuüben oder sich mit allem Möglichen abzulenken. Er ist häufig verwirrt, fühlt sich von Gefühlen der Schuld und Scham belastet, dissoziiert schnell und ist nicht in der Lage, gute Beziehungen zu gestalten. 

Wenn es zu weiteren Traumatisierungen kommt (was bei Entwicklungstrauma meistens der Fall ist), können sich durch weitere Spaltungen mehrere Überlebensanteile herausbilden.

Unverletzter Anteil

Der unverletzte Anteil ist sozusagen das, was heilgeblieben ist. Befinden wir uns in diesem Anteil, haben wir Zugriff auf unsere erlernten Fähigkeiten, wir haben einen klaren Bezug zur Realität, sind zuversichtlich und können gute Entscheidungen treffen, wie zum Beispiel Hilfe zu suchen. Dieser Anteil ist in der Lage, seine Gefühle auszudrücken, nährende Beziehungen zu gestalten und die traumatischen Erfahrungen anzuerkennen.

Vielleicht geht es Dir jetzt wie mir, als ich zum ersten Mal von diesen drei Anteilen gehört habe. Bis dahin war ich tatsächlich verwirrt über meine Ambivalenz und Zwiespältigkeit. Ich glaubte selbst verrückt oder sogar schizophren zu sein.
Du kannst jetzt aufatmen, denn Du bist nicht verrückt. Du hast lediglich Verletzungen davongetragen, die bisher noch nicht geheilt werden konnten. Das Schöne ist, dass auch Du über den unverletzten Anteil verfügst, der immer stärker werden wird, je mehr Du heilst.

Wie unsere Anteile unser Leben beeinflussen

Schauen wir uns jetzt uns noch etwas genauer an, wie diese drei Anteile unser Leben unbewusst beeinflussen. Für einen besseren Überblick untergliedere ich unser Leben in drei Hauptbereiche. Den Bereich der physischen und psychischen Gesundheit, die Beziehungsebene und die Gefühlsebene. Am Ende jeden Bereiches findest Du einige konkrete Symptome, wobei jedoch kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht.

1. Ebene der physischen und psychischen Gesundheit

Gesundheit ist in den meisten Fällen das Ergebnis unseres Lebensstils und dem Umgang mit uns selbst. Wenn unser Körper Symptome entwickelt, will er uns nichts Böses. Er ist nicht unser Feind, sondern will uns darauf aufmerksam machen, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist, was unserer Aufmerksamkeit bedarf.

Wir Menschen sind Körper, Geist und Seele. Klassische medizinische Ansätze lassen das außer Acht und versuchen Symptome nur auf einem dieser Bereiche zu beseitigen. Das heißt, wir gehen mit unseren Problemen zum Arzt und bekommen nach der meist symptombezogenen Anamnese den ärztlichen Befund und damit den Stempel krank verpasst. Medikamente sollen das Problem beheben, aber die zu Grunde liegenden Ursachen bleiben so unberücksichtigt.
Kurzfristig ist uns so zwar geholfen, aber langfristig kommt es dem Versuch gleich eine feuchte Wand trocken zu legen, ohne das Loch im Dach zu beseitigen.

Statt unsere Symptome mit starken Medikamenten beseitigen zu wollen, die unserem Körper schaden (siehe Nebenwirkungen in den Beipackzetteln) sollten wir uns lieber der Ursache zuwenden. Und die liegt meist ganz tief in uns vergraben.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich um meine persönliche Betrachtungsweise handelt und ich akzeptiere, dass Du womöglich eine andere Sichtweise hast. Außerdem ist mir wichtig zu betonen, dass ich Medikamente nicht per se ablehne. Ich selbst wäre ohne eine hohe Medikation während zwei langwieriger Krankenhausaufenthalte nicht mehr am Leben. Auch aktuell bin ich auf Medikamente für meine Schilddrüsenunterfunktion angewiesen. Ich bin froh, dass es Medikamente gibt, die uns auf unserem Weg unterstützen. Langfristig gesehen sollten sie aber keine Dauerlösung sein.

Durch eigene Erfahrungen weiß ich, wie chronische Beschwerden heilen, wenn ich mich ihnen zuwende und die dahinterliegenden Themen erforsche. Es braucht manchmal natürlich etwas Mut, sich den ursächlichen und oft schmerzlichen Themen zuzuwenden, aber wenn unser Körper immer wieder seelische und körperliche Krankheitssymptome entwickelt, will er uns auf die Dringlichkeit hinweisen, das zu tun.

Mögliche Symptome auf der Gesundheitsebene:

  • Häufig wiederkehrende, meist langwierige Krankheiten (Hals- und Rachenentzündungen, Unterleibsbeschwerden, Magen- Darmbeschwerden, Nacken- und Rückenschmerzen, Krebs etc.)
  • Psychische Störungsbilder mit Diagnosen wie Angststörung, Depression, Phobien, ADHS, Schizophrenie und weitere
  • Schlafstörungen

Buchtipp 1:

*Mein Körper, mein Trauma, mein ich: Anliegen Aufstellen – aus der Traumabiografie aussteigen von Dr. Franz Ruppert (2017)

25 Autoren-Beiträge verdeutlichen den Zusammenhang zwischen Körpersignalen, Psyche und Trauma am Beispiel von Kopfschmerzen, Rücken- und Gelenkschmerzen, Herz- und Kreislauf- sowie Hauterkrankungen, Krebs und Schlafstörungen. 

2. Beziehungsebene

Die Beziehungsebene meint nicht nur die Beziehungen zu anderen Menschen, sondern auch die Beziehung zu uns selbst und zur Welt. Besonders nach Entwicklungstrauma kann es hier zu Gedanken- und Verhaltensmustern kommen, die uns das Leben schwer machen. Einige Fragen sollen Dir dabei helfen einzuschätzen, ob sich in Deinem Beziehungsverhalten Traumatisierungen vermuten lassen:

a.) Beziehung zur Welt

In welcher Beziehung stehst Du zum Leben und der Welt? Wie fühlst Du Dich als Mensch in Deiner Umwelt? Empfindest Du das Leben grundsätzlich als schön und freudvoll oder eher als schwierig und schmerzhaft? Plagen Dich viele Ängste und ein mangelndes Selbstwertgefühl oder verfügst Du über ein generelles Grundvertrauen in das Leben? Bist Du oft niedergeschlagen und depressiv, weil Du die Welt für einen feindlichen Ort hältst, der an jeder Ecke Gefahren birgt? Vielleicht fühlst Du Dich vom Pech verfolgt, weil Du bei allen Versuchen etwas in Deinem Leben zu verändern, scheiterst. Du willst Dich gern weiterentwickeln, aber hast einfach keinen Erfolg mit Deinen Vorhaben.

Wenn Deine Antworten tendenziell eher negativ ausfallen, kann es sein, dass in Dir noch etwas ungesehen ist. Womöglich ist es Dein Trauma-Anteil, der die schrecklichen Geschehnisse von damals ins Hier und Jetzt überträgt.  

b.) Beziehung zu uns selbst

Wie gehst Du mit Dir und Deinem Körper um? Bist Du jederzeit in Deinem Körper präsent und kannst Dich gut in ihm spüren?
Menschen mit Entwicklungstrauma spüren sich nicht gut im eigenen Körper. Exzessives Treiben von Sport oder Sex, selbstverletzendes Verhalten, Essstörungen, übermäßiger Konsum von Alkohol und Drogen können dem Versuch dienen, sich intensiver oder überhaupt nicht spüren zu wollen. Sie vergessen ihren Körper im Alltag auch oft und nehmen ihre Bedürfnisse nicht wahr oder nicht ernst.

Kommst Du am Abend manchmal nach Hause und bemerkst, dass Du den ganzen Tag nichts getrunken hast? Oder fühlst Du Dich plötzlich kraftlos und erschlagen, weil Du den ganzen Tag extrem angespannt warst?

Und wie sieht es mit Deinem inneren Dialog aus? Wie denkst und sprichst Du innerlich über Dich? Lehnst Du Teile von Dir ab oder empfindest Hass gegen Dich selbst? Glaubst Du im Grunde wertlos zu sein oder es nicht verdient zu haben, glücklich zu sein?

Vielleicht ist so ein unachtsamer Umgang mit Dir selbst für Dich ganz normal, weil mit Dir genauso umgegangen wurde, als Du noch klein warst. Verurteile Dich bitte nicht dafür, wie Du im Moment bist. Versuche, stattdessen einen neuen und liebevolleren Umgang mit Dir selbst zu erlernen.

c.) Beziehung zu anderen Menschen

In Beziehungen zu anderen Menschen werden Entwicklungstraumata ganz stark deutlich, vor allem in Liebesbeziehungen. Obwohl wir uns einerseits nach Nähe und Verbindung sehnen, schaffen wir es nicht, eine liebevolle und langfristige Beziehung zu führen.

Bist Du im Grunde eh fest davon überzeugt, dass Du anderen Menschen nicht vertrauen kannst? Suchst Du Dir unbewusst immer wieder Partner, die Dir das bestätigen, indem sie sich nicht auf Dich einlassen, Dich ablehnen oder im schlimmsten Fall sogar verletzten?

Toxische Beziehungen müssen aber auch nicht immer so gravierende Ausmaße annehmen. Auch eine unbewusste Angst vor wirklicher Nähe und Verbindung kann schon zu immer wiederkehrenden destruktiven Beziehungsmustern führen. Die zugrunde liegenden Bindungsängste, die eine Folge früher Kindheitsverletzungen sind, sind uns meist gar nicht bewusst, weil sie eine Schutzstrategie unseres Überlebens-Anteils sind.

Siehst Du Dich auch außerhalb Deiner Liebesbeziehung immer wieder mit Schwierigkeiten konfrontiert? Fühlst Du Dich von anderen Menschen oft unverstanden und nie wirklich zugehörig? Reagierst Du bei Kritik schnell gekränkt, bist Du oft genervt, verärgert oder wütend über andere Menschen und froh, wenn Du zu Hause Deine Ruhe vor ihnen hast? Glaubst Du insgeheim besser zu sein als alle anderen und grenzt Dich deshalb von anderen Leuten ab?

An einem Bedürfnis nach Rückzug und Alleinsein ist per se nichts verkehrt. Das Warum ist entscheidend. Willst Du von anderen Menschen Abstand, weil sie Gefühle in Dir auslösen, die Dir unangenehm sind? Wenn das der Fall ist, dann handelt es sich vermutlich um eine Vermeidungsstrategie. Es lohnt sich der Ursache auf den Grund zu gehen, denn meistens dienen andere Menschen uns als Projektionsflächen für eigene ungelöste Themen.

Mögliche Symptome auf der Beziehungsebene

  • Suchtverhalten (Alkohol, Drogen, Arbeit, Essen, Computer/Internet, Sex)
  • Kontrollversuche (Essstörungen, exzessives Sporttreiben, Arbeitsverhalten, Eifersucht)
  • Selbstmordgedanken oder Selbstmordversuche
  • Geringes Selbstwertgefühl und Misserfolge bei der persönlichen Weiterentwicklung
  • Das Gefühl, anders zu sein als andere und nirgends dazuzugehören
  • Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Angst vor Berührungen, Nähe oder Blickkontakt
  • Bindungsängste, dauernde Konflikte in Partnerschaften
  • Wiederkehrendes Empfinden von Scham und Schuldgefühlen
  • Eine negative Lebenseinstellung und allgemeines Misstrauen in das Leben

3. Gefühlsebene

Wenn wir traumatisiert wurden, agieren wir unbewusst zu großen Teilen aus unseren Überlebensanteilen heraus. Ohne uns dessen bewusst zu sein, versuchen wir mit allem, was wir tun, unseren Traumagefühlen aus dem Weg zu gehen.

Unser Nervensystem scannt unsere Umgebung permanent nach möglichen Gefahren ab, sodass wir uns in ständiger Alarmbereitschaft befinden. Dieses hohe Aktivitätsniveau bedeutet Stress und beeinflusst unsere Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren.

Eine mangelnde Gefühlsregulation kann verschiedene Ausprägungen haben. Während wir phasenweise regelrecht von Gefühlen überrollt werden, kann es zu einem anderen Zeitpunkt sein, dass wir den Eindruck haben, uns gar nicht zu spüren. Der Ausdruck und Umgang mit unseren Emotionen und Gefühlen ist nicht im Gleichgewicht, sodass wir in einem Moment voller Verzweiflung sein können und im nächsten Moment schon wieder himmelhochjauchzend oder wütend und aggressiv. Wir neigen zu Hypersensibilität, das heißt, kleine Reize können schnell überfordern, sodass wir uns ausgebrannt fühlen. Wir sind schnell energielos und benötigen viel Rückzug und Ruhe, um unsere Akkus wieder aufzuladen.

Auch unser traumatisierter Anteil beeinflusst uns auf der Gefühlsebene. Wenn wir uns in ihm wiederfinden, fühlen wir uns wie damals als Kind. Vielleicht kommt es Dir bekannt vor, dass Du Dich in bestimmten Situationen plötzlich ganz klein fühlst. Entweder bedürftig und nach Liebe sehnend oder aber auch wütend, bockig und irrational, so als wolltest Du Dich am liebsten auf den Boden werfen.

Während der traumatisierte Anteil immer wieder versucht, sich zu zeigen, um endlich integriert zu werden, arbeitet der Überlebensanteil gegen ihn. Er ist darum bemüht, ihn in Schach zu halten, um nicht wieder mit den überwältigenden Traumagefühlen konfrontiert zu werden. Dieser innere Kampf steht Deinem ursprünglichen Gefühlsausdruck im Weg. Vor allem kostet er immens viel Energie. Traumaarbeit ist hier in jedem Fall lohnenswert.

Mögliche Symptome auf der Gefühlsebene:

  • Beeinträchtige Fähigkeit zur Regulation von Gefühlen (wir reagieren irrational, langanhaltend oder extrem mit Traurigkeit, Verzweiflung, Ohnmacht, Angst, Ekel, Aggression, Wut)
  • Andauernde innere Unruhe, Stressempfinden, Burn-out
  • Antriebs- und Kraftlosigkeit, Niedergeschlagenheit
  • Schwierigkeiten beim Spüren von Gefühlen, Emotionen und Empfindungen im Körper

Buchtipp 2:

*Bin ich traumatisiert?: Wie wir die immer gleichen Problemschleifen verlassen von Verena König (2021)

Mit zahlreichen Fallbeispielen, Übungen und Erklärungen aus Psychologie und Neurobiologie hilft die Traumatherapeutin Verena König, die Ursprünge und Wirkungen von Traumatisierungen zu verstehen und sich dem Thema achtsam anzunähern.

Ich würde mich doch erinnern, wenn ich traumatisiert worden wäre!

Vielleicht hast Du Dich jetzt schon in einigen der beschriebenen Merkmale wiedergefunden, traust der Sache aber nicht, weil Du keine wirklichen Erinnerungen hast.

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist es möglich, dass Du überhaupt keine bewussten Erinnerungen an die Traumatisierungen hast. Entweder, weil Du noch zu klein warst oder weil Deine Schutzmechanismen gute Arbeit geleistet haben. Diese Mechanismen haben die Fähigkeit, Erinnerungen an schlimme Erfahrungen so sehr abzuspalten, dass wir nicht mehr darauf zugreifen können. Das nennt man dissoziative Amnesie und hat Dein Überleben gesichert.

Ohne bewusste Erinnerungen fällt es uns schwer zu glauben, dass uns etwas Furchtbares passiert ist. Aber irgendwie haben wir auch so eine leise Ahnung, dass irgendetwas nicht stimmt. Warum sonst ist unser Leben geprägt von sich wiederholenden Mustern? Und aus welchem Grund sonst leiden wir auf den genannten Ebenen immer wieder innere Qualen?

Wenn wir vermuten, dass uns etwas angetan wurde oder irgendetwas an unserer Lebensgeschichte nicht stimmt, dann steckt da meistens eine Wahrheit dahinter. Wir dürfen lernen, unsere Ahnung ernst zu nehmen und uns zu vertrauen.

Bei mir war es lange Zeit so, dass ich nur emotionale und körperliche Erinnerungen hatte, jedoch keine bildhaften. Ich bin immer wieder in Kontakt mit den schrecklichen Gefühlen meiner Vergangenheit zu kommen, ohne mich zu erinnern, wo diese ihren Ursprung hatten. Bei anderen Menschen kann das genaue Gegenteil der Fall sein. Sie erinnern sich an schreckliche Dinge und können darüber erzählen, aber es ist, als würden sie über einen Film sprechen, statt über ihr eigenes Schicksal. Sie erinnern sich zwar, haben aber die dazugehörigen Gefühle abgespalten. Auch hier handelt es sich um einen Schutzmechanismus durch einen dissoziativen Zustand.

Wie geht es weiter, wenn ich glaube, traumatisiert zu sein?

Wenn sich Deine Vermutung verstärkt, traumatisiert zu sein, ist das Wichtigste nicht in Panik zu geraten. Alles ist genau richtig, so wie es ist. Du hast es bis hier hingeschafft und es ist wunderbar, dass Du da bist.
 
Solltest Du den inneren Wunsch verspüren, Dich dem Thema noch mehr zuzuwenden, dann lass Dir Zeit, gehe liebevoll mit Dir um und überfordere Dich nicht.
Du kannst zum Beispiel damit anfangen, Dich in das Thema Trauma einzulesen. Es gibt viele gute Bücher zum Thema, meine persönliche Empfehlung für den Einstieg ist das kompakte Büchlein *„Zurück in mein Ich – Das kleine Handbuch zur Traumaheilung“ von Vivian Broughton.

Ich empfehle Dir sehr, den Weg nicht allein zu gehen. Suche Dir mindestens eine Vertrauensperson, die Dir glaubt und Dich wirklich unterstützt. Noch besser suche Dir eine gute Therapeutin oder einen Therapeuten, dem Du vertraust und der auf Traumaarbeit spezialisiert ist.

Außerdem bist Du herzlich eingeladen, meine Wegbegleiterin zu werden und Dein Traumawissen durch meine Beiträge zu vertiefen oder Dich von meinen Erfahrungen inspirieren zu lassen.
 
Ich schreibe meine Beiträge für Dich und hoffe, dass Du Dich durch sie ein wenig verstanden und weniger allein fühlst. Außerdem möchte ich Dich ermutigen, erste Schritte zu wagen, um langfristig ganz zu werden.
 
Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass sich der Weg der Ganzwerdung lohnt. Es ist zwar ein längerer Weg, auf dem es Höhen und Tiefen geben wird, aber Deine Lebensqualität wird zu nehmen, wenn Du ihn gehst. 
 
Traumaenergie ist gebundene Lebensenergie. Sie wartet darauf, ins Fließen zu kommen, damit Du ein freies und erfülltes Leben führen und Dein volles Potenzial entfalten kannst!

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Quellenverweise: 

Broughton, Vivian (2016): Zurück in mein Ich: Das kleine Handbuch zur Traumaheilung mit einem Nachwort von Franz Ruppert, 4. Edition, München

König, Verena: Woran erkenne ich, ob ich traumatisiert bin – Podcast. Abgerufen am 09.11.2021, von https://verenakoenig.de/blog-und-podcast/134-woran-erkenne-ich-ob-ich-traumatisiert-bin

Ruppert, Franz & Banzhaf, Harald (2017): Mein Körper, mein Trauma, mein ich: Anliegen aufstellen – aus der Traumabiografie aussteigen, 3. Edition, München